Der Prozess der Zertifizierung von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern setzte vor dem Hintergrund der dramatischen Tropenwaldzerstörung und den Ergebnissen des Umweltgipfels in Rio Anfang der 1990er Jahre ein. Inzwischen gibt es weltweit rund 60 Zertifizierungsinitiativen in 149 Ländern, die eine ökologisch verantwortliche, sozial verträgliche und ökonomisch lebensfähige Bewirtschaftung von Wäldern unterstützen. Eine Vielzahl davon ist bereits tätig. So bieten Zertifizierungsinitiativen wie FSC, PEFC, MTCC, SFI, CSA und ATFS bereits Holz mit einem Zertifikat an. Anfang 2007 gab es weltweit rund 240 Millionen ha zertifzierter Waldfläche. Nachstehend folgt eine kurze Beschreibung der (für Deutschland) wichtigsten Zertifizierungsinitiativen.
PEFC-Council (PEFCC)
Das Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) basiert inhaltlich auf internationalen Beschlüssen, die auf den Ministerkonferenzen zum Schutz der Wälder in Europa (Helsinki 1993, Lissabon 1998) von 37 Nationen im Pan-Europäischen Prozess verabschiedet wurden. Vorrangiges Ziel von PEFC ist die Dokumentation und Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Hinblick auf ökonomische, ökologische sowie soziale Standards. Das PEFC-Council (PEFCC) bildet den Rahmen zur Anerkennung nationaler Zertifizierungssysteme und -initiativen. Das PEFCC-Programm hat eigene, unabhängige und international akzeptierte Richtlinien für nachhaltige Waldbewirtschaftungs- und für Handelskettenzertifizierung erstellt und bietet Endverbrauchern die Sicherheit einer Herkunft aus nachhaltiger Produktion und Weiterverarbeitung von Holz und Holzprodukten durch eine unabhängige Überprüfung mit diesem System durch Dritte. Das PEFC wurde 1998 ins Leben gerufen, um die Belange von 12 Mio., meistens kleineren europäischen Waldeigentümern, besser vertreten zu können. Inzwischen hat das PEFC 30 Mitgliedsländer innerhalb und außerhalb Europas, von denen 20 Systeme bereits zugelassen sind, das PEFC-Zertifikat führen zu dürfen. Gleichzeitig bemühen sich weitere nationale Zertifizierungssysteme, wie SFI, ATFS und MTCC um einen Anschluss. PEFC wird von der deutschen Regierung akzeptiert. Zertifiziertes Waldareal PEFC 195.997.000 ha (April 2007). Mehr Information unter: www.pefc.org
Forest Stewardship Council (FSC)
Der Forest Stewardship Council ist eine internationale Organisation, 1993 durch internationale Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, einheimische Bevölkerungsgruppen und Unternehmen aus dem Wald- und Holzsektor gegründet worden. Um die Wälder vor Vernichtung und irreversibler Beschädigung zu schützen, wurden damit erstmals international anwendbare Prinzipien und Kriterien für einen nachhaltigen Waldbau und die Zertifizierung von Waldbewirtschaftung und von Handelsketten aufgestellt. Hierdurch erhält der Endverbraucher Sicherheit über die Herkunft des Holzes bzw. Holzprodukts. Pro Lieferland wird der Standard durch nationale FSC-Arbeitsgruppen den national- bzw. regionalspezifischen Gegebenheiten angepasst und zu einem nationalen Standard ausgearbeitet. Einzigartig bei dem FSC ist das Drei-Kammer-System durch das die gleichrangige Vertretung aller beteiligten Interessengruppen (ökonomisch, sozial, Umwelt) gewährleistet ist. Bis heute sind 893 Waldzertifikate ausgegeben, die sich auf 76 Länder verteilen. Vertreter für Deutschland ist FSC Deutschland. FSC wird unterstützt von Unternehmen, wie z. B. großen Einzelhandelsorganisationen und dem Holzhandel, aber auch durch soziale Unternehmen und die internationale Umweltbewegung und wird darüber hinaus von der deutschen Regierung akzeptiert.
Zertifiziertes Waldareal FSC 91.838.000 ha (Mai 2007). Mehr Information unter: www.fsc.org
Keurhout
„Keurhout“ filtert und überprüft die Zuverlässigkeit von angebotenen Zertifikaten (u. a. FSC, PEFC, MTCC, SFI, CSA, ATFS) über eine nachhaltige Waldbewirtschaftung einmal für den niederländischen aber auch für den europäischen Markt. Die Überprüfung erfolgt auf Basis der von der niederländischen Regierung formulierten Mindestanforderungen. Bei Abnahme kann das Holz mit dem so genannten „Keurhout“-Siegel gekennzeichnet werden. Das System, wie auch die von der niederländischen Regierung, der Wirtschaft und den Gewerkschaften gegründete „Stichting Keurhout“ (1996) ist von der Vereniging van Nederlandse Houtondernemingen (VVNH) übernommen worden und wird seit dem 1. Januar 2004 von dieser Vereinigung verwaltet und unterstützt. Das „Keurhout“-Siegel wird von der niederländischen Regierung akzeptiert.
Zertifiziertes Waldareal „Keurhout“: 39.982.377 ha (Juni 2005). Mehr Information unter: www.keurhout.nl
Malaysian Timber Certification Council (MTCC)
Malaysia verfügt über ein eigenes, unabhängiges Zertifizierungssystem dessen Standard auf internationalen Richtlinien für nachhaltige Waldbewirtschaftung, den „Malaysian Criteria and Indicators“ (MC&I.2002) basiert. Auf der Ebene der Kriterien und Indikatoren ist dieser Standard mit dem FSC identisch. Die Kontrolle liegt in den Händen des unabhängigen „Malaysian Timber Certification Council“. Das System regelt auch ein eigenes Handelskettenkontrollsystem (Chain of Custody). Malaysia steht in Zusammenarbeit mit dem Forest Stewardship Council (FSC) und es gibt bereits Forstbetriebseinheiten in Malaysia, deren Wälder nach den Richtlinien des FSC zertifiziert sind. MTCC ist Mitglied im PEFC. Holz mit einem MTCC-Zertifikat wird auf dem deutschen Markt angeboten. Zertifiziertes Waldareal MTCC: 4.730.774 ha (Dezember 2005). Mehr Information unter: www.mtcc.com.my
Sustainable Forestry Initiative (SFI)
Diese Initiative ist ein unter der Leitung der Amercian Forest & Paper Association (AFPA) initiiertes Zertifizierungssystem und ist insbesondere für industrielle Waldeigentümer bestimmt. SFI ist ein integriertes System für einerseits nachhaltige Produktion von Holz und andererseits für Umweltaspekte. Es basiert wie das CSA auf der ISO 14001. Alle Mitglieder der AFPA sind verpflichtet, an diesem Zertifizierungssystem teilzunehmen. Die Überprüfung kann, muss aber nicht von unabhängigen Zertifizierungsorganisationen ausgeführt werden. Das System ist aktualisiert worden, wird straff geführt und ist durch einen unabhängigen Vorstand (Sustainable Forestry Board – SFB) und einem ergänzenden Beschwerdeverfahren relativ transparent. Ein Handelskettensystem ist entwickelt. Auch in Kanada wird mit dem SFI-System gearbeitet. SFI ist Mitglied im PEFC.
Zertifiziertes Waldareal SFI: 54.376.769 ha (Juli 2006). Mehr Information unter: www.aboutsfi.org, www.afandpa.org
Canadian Standard Association (CSA )
Dieses System für nachhaltige Waldbewirtschaftung ist auf Bitte der kanadischen Regierung von der bestehenden CSA in Zusammenarbeit mit allen betroffenen Parteien ins Leben gerufen worden. CSA basiert auf dem internationalen Umweltschutzsystem ISO 14001, ergänzt um sehr spezifische waldbauliche Maßnahmen. CSA kennt ein Handelskettensystem. 1999 fanden die ersten Zertifizierungen von insgesamt 1,4 Millionen ha statt. CSA ist zugelassen zum PEFC-System.
Zertifiziertes Waldareal CSA: 73.970.018 ha (Dez. 06) Mehr Information unter: www.sfms.com
American Tree Farm System (ATFS)
Dies ist ein von der American Forest Foundation (AFF) gesponsertes System. ATFS ist speziell für kleine, private Waldeigentümer bestimmt. Das AFTS und das SFI sind komplementär und erkennen einander an. Inzwischen verwalten ca. 51.000 Familien-Waldeigentümer ihre Wälder entsprechend diesem System mit insgesamt 13,35 Millionen ha Wald in 46 Staaten. Dieses System enthält viele Gesetze und Bestimmungen über nachhaltige Waldbewirtschaftung und Waldschutz. Das Programm ist kürzlich aktualisiert worden. ATFS sucht internationale Anerkennung für ihr System.
Zertifiziertes Waldareal ATFS: 10.500.000 ha (Jan. 04). Mehr Information unter: www.treefarmsystem.org
GDHolz Gesamtverband Deutscher Holzhandel Klaus Schwarz, Juli 2007